

|
"Bauernhortensie" - Werbung mit Erfolg
Alle sprechen über Bauernhortensien! Verbunden mit diesem Namen erlebt die Hortensie seit einigen Jahren eine Renaissance und wird immer beliebter. In großen bunten Gartenzeitschriften oder im Internet wird überall von der Hortensie der Bauern gesprochen und die Vorstellung üppig blühender Ballhortensien in Gärten auf dem Lande suggeriert. Dieses Bild regt an, diese Pflanzen will man haben! Der Begriff "Bauernhortensie" scheint, begleitend mit dem verstärkten Interesse an diesen Pflanzen, in den letzten Jahren in der Werbung geprägt worden zu sein. Eine genaue Definition des Begriffes gibt es nicht. Oft wird die Art Hydrangea macrophylla (Thunb. ex Murray) Ser. mit ihren vielen, gärtnerisch wertvollen Sorten, bekannt als Ball- und Tellerhortensien, darunter verstanden.
In der gärtnerischen Fachliteratur finden wir den Begriff "Bauernhortensie" überhaupt nicht. Warum auch? Er führt in die Irre, wie uns ein Blick in die Geschichte und auf die Problematik der Winterhärte zeigt. Die Züchtungen der Hortensie Hydrangea macrophylla (Thunb. ex Murray) Ser. wuchsen zuerst in den Gärten Chinas und Japans. In diesen Gärten gibt es keine Zufälle, alles ist wohlüberlegt und meist von symbolischer Bedeutung. Eine Ähnlichkeit zum üppigen und überaus vielfältigen deutschen Bauerngarten ist auszuschließen.
In den zwanziger und dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts züchteten in Deutschland Friedrich Matthes, H. Schadendorff und Joseph Wintergalen sehr rege eine Vielzahl neuer Sorten. Das Hortensien in den Garten pflanzen war aber noch nicht verbreitet. Die Pflanzen standen in Kübeln und wurden in der kalten Jahreszeit in ein Winterquartier gebracht. Ausgepflanzt
in den Garten wurde am ehesten in den Städten und nicht in den Bauerngärten.
Zum einen war das aufstrebende Bürgertum wohlhabender, denn Pflanzen
aus Fernost waren auch ein Statussymbol. Andererseits sind Standorte
in der Stadt auch kleinklimatisch günstiger und der Blüherfolg größer.
Letztendlich ereilte in eben dieser Zeit die Hortensie in manchen Landstrichen
der Ruf einer Unglücks-, Streit- oder Zwietrachtsblume. Es ist anzunehmen, dass die Hortensie erst in den letzten Jahrzehnten, vor allem in den milderen Gebieten Südwestdeutschlands, in größerem Umfang Einzug auch in die bäuerlichen Gärten fand. Erst mit dem Modewort und Marktbegriff der "Bauernhortensie" wollten sie viele wieder in den Garten pflanzen. Frankreichreisende sahen dort die üppige und faszinierende Blüte in vielen Orten. Nun ist für die Gärtner guter Rat teuer. Das Sortiment ist nicht auf Winterhärte getestet.
Die
nachfolgend genannten Sorten gehören botanisch alle zur Gartenhortensie
Hydrangea macrophylla(Thunb. ex Murray) Ser.:
Wo liegt die Lösung, dass Hortensien zukünftig wirklich in Bauerngärten und andernorts in großen Teilen Deutschlands heimisch werden können? Zum einen können die härtesten Sorten in die züchterische Arbeit einbezogen werden, um diese Eigenschaft auch auf neuere Sorten zu übertragen. Zum anderen werden zunehmend Sorten kultiviert oder gezüchtet, die am einjährigen Holz blühen.
Das bekannteste Beispiel für eine Sorte, die am einjährigen Holz blüht, ist 'Endless Summer'. Auch bei dieser Sortenbezeichnung handelt es sich - wie bei dem Überbegriff Bauernhortensie - um eine erfolgreiche Werbung, suggeriert sie doch einen nicht enden wollenden Sommer. Französische Hortensienkenner vermuten hinter 'Endless Summer' die ältere Sorte 'Bailmer'. In jedem Falle ist sie gemeinsam mit anderen frosttoleranten Sorten ein interessanter züchterischer Anfang in eine neue Zeit, in der es vielleicht wirklich üppig blühende Bauerngärten voller Hortensien in ganz Deutschland geben wird.
Für
konstruktive Hinweise und Korrekturen bei der Erstellung dieses Textes
bedanken wir uns sehr herzlich bei: Kamelien - Azaleen -Rhododendren- Bonsai - Efeu - Zwergobstbäume
|